Triggerpunkte - bloss nur ein Mode-Wort?
- Tabea Shmooeli

- 21. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Triggerpunkte bei Kindern mit ADHS – verstehen, begleiten, entlasten
Kinder mit ADHS oder besonderen Verhaltensauffälligkeiten stellen Eltern, Erzieherinnen und Lehrer oft vor besondere Herausforderungen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen scheinbar „plötzlich“ ein Gefühlsausbruch oder ein Konflikt entsteht. Häufig steckt dahinter ein sogenannter Triggerpunkt. Doch was genau bedeutet das – und wie können Erwachsene damit umgehen?
Was sind Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind bestimmte Reize oder Situationen, die bei einem Kind besonders starke emotionale Reaktionen auslösen. Sie wirken wie ein „Knopf“, der gedrückt wird – und sofort entsteht Stress, Wut oder Rückzug.
Wichtig: Das Kind handelt dabei nicht absichtlich provokativ. Vielmehr zeigen die Reaktionen, dass es überfordert ist und seine Selbststeuerung an Grenzen stößt.
Typische Triggerpunkte bei Kindern mit ADHS
Reizüberflutung: zu viele Geräusche, Bewegungen oder Eindrücke gleichzeitig
Überforderung: lange Arbeitsblätter, komplizierte Aufgaben, zu viele Anweisungen
Gefühl von Ungerechtigkeit: wenn andere „mehr dürfen“ oder sie sich unfair behandelt fühlen
Lange Wartezeiten: beim Anstehen, beim Zuhören oder wenn es „einfach zu lange dauert“
Ablehnung und Kritik: besonders, wenn Kinder schon häufig negatives Feedback erleben
Fehlende Struktur: wechselnde Abläufe, unklare Regeln, spontane Änderungen
Wie Erwachsene sinnvoll reagieren können
1. Beobachten und verstehen
Eltern und Pädagogen können bewusst wahrnehmen: Wann, wo und wodurch entstehen die Ausbrüche? Ein „Trigger-Tagebuch“ hilft, Muster zu erkennen.
2. Vorbeugen
Klare Strukturen und Rituale im Alltag
Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
Bewegungspausen einplanen
Reize reduzieren, etwa durch ruhige Ecken oder Kopfhörer
3. In der Situation
Ruhe bewahren und nicht in Machtkämpfe einsteigen
Kurze, klare Ansagen statt langer Erklärungen
Dem Kind Raum geben, sich zurückzuziehen
Alternativen anbieten: z. B. Stressball, Wasser trinken, kurze Pause
4. Danach
Gemeinsam reflektieren: „Was ist passiert?“ – ohne Vorwurf
Lösungen suchen: „Was könnte dir beim nächsten Mal helfen?“
Positive Strategien üben, etwa „Wenn ich wütend werde, gehe ich kurz nach draußen“
Haltung macht den Unterschied
Der wichtigste Faktor im Umgang mit Triggerpunkten ist die innere Haltung der Erwachsenen:
Empathie statt Schuldzuweisung: Kinder mit ADHS wollen nicht „schwierig“ sein.
Konsequenz statt Strafe: klare, verlässliche Grenzen geben Sicherheit.
Stärken sehen: Kinder sind mehr als ihr auffälliges Verhalten.
Zusammenarbeiten: Eltern, Pädagogen und ggf. Therapeuten sollten im Austausch bleiben.
Fazit
Triggerpunkte sind keine „Schwächen“ des Kindes, sondern Signale, dass es gerade überfordert ist. Wer diese Auslöser erkennt, kann vorbeugen und in schwierigen Momenten ruhiger reagieren. So lernen Kinder Schritt für Schritt, ihre Gefühle besser zu steuern – und Erwachsene schaffen eine Umgebung, in der Entwicklung und Beziehung gelingen können.

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