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Triggerpunkte - bloss nur ein Mode-Wort?



Triggerpunkte bei Kindern mit ADHS – verstehen, begleiten, entlasten


Kinder mit ADHS oder besonderen Verhaltensauffälligkeiten stellen Eltern, Erzieherinnen und Lehrer oft vor besondere Herausforderungen. Immer wieder gibt es Situationen, in denen scheinbar „plötzlich“ ein Gefühlsausbruch oder ein Konflikt entsteht. Häufig steckt dahinter ein sogenannter Triggerpunkt. Doch was genau bedeutet das – und wie können Erwachsene damit umgehen?





Was sind Triggerpunkte?



Triggerpunkte sind bestimmte Reize oder Situationen, die bei einem Kind besonders starke emotionale Reaktionen auslösen. Sie wirken wie ein „Knopf“, der gedrückt wird – und sofort entsteht Stress, Wut oder Rückzug.


Wichtig: Das Kind handelt dabei nicht absichtlich provokativ. Vielmehr zeigen die Reaktionen, dass es überfordert ist und seine Selbststeuerung an Grenzen stößt.





Typische Triggerpunkte bei Kindern mit ADHS



  • Reizüberflutung: zu viele Geräusche, Bewegungen oder Eindrücke gleichzeitig

  • Überforderung: lange Arbeitsblätter, komplizierte Aufgaben, zu viele Anweisungen

  • Gefühl von Ungerechtigkeit: wenn andere „mehr dürfen“ oder sie sich unfair behandelt fühlen

  • Lange Wartezeiten: beim Anstehen, beim Zuhören oder wenn es „einfach zu lange dauert“

  • Ablehnung und Kritik: besonders, wenn Kinder schon häufig negatives Feedback erleben

  • Fehlende Struktur: wechselnde Abläufe, unklare Regeln, spontane Änderungen






Wie Erwachsene sinnvoll reagieren können




1. Beobachten und verstehen



Eltern und Pädagogen können bewusst wahrnehmen: Wann, wo und wodurch entstehen die Ausbrüche? Ein „Trigger-Tagebuch“ hilft, Muster zu erkennen.



2. Vorbeugen



  • Klare Strukturen und Rituale im Alltag

  • Aufgaben in kleine Schritte zerlegen

  • Bewegungspausen einplanen

  • Reize reduzieren, etwa durch ruhige Ecken oder Kopfhörer




3. In der Situation



  • Ruhe bewahren und nicht in Machtkämpfe einsteigen

  • Kurze, klare Ansagen statt langer Erklärungen

  • Dem Kind Raum geben, sich zurückzuziehen

  • Alternativen anbieten: z. B. Stressball, Wasser trinken, kurze Pause




4. Danach



  • Gemeinsam reflektieren: „Was ist passiert?“ – ohne Vorwurf

  • Lösungen suchen: „Was könnte dir beim nächsten Mal helfen?“

  • Positive Strategien üben, etwa „Wenn ich wütend werde, gehe ich kurz nach draußen“






Haltung macht den Unterschied



Der wichtigste Faktor im Umgang mit Triggerpunkten ist die innere Haltung der Erwachsenen:


  • Empathie statt Schuldzuweisung: Kinder mit ADHS wollen nicht „schwierig“ sein.

  • Konsequenz statt Strafe: klare, verlässliche Grenzen geben Sicherheit.

  • Stärken sehen: Kinder sind mehr als ihr auffälliges Verhalten.

  • Zusammenarbeiten: Eltern, Pädagogen und ggf. Therapeuten sollten im Austausch bleiben.






Fazit



Triggerpunkte sind keine „Schwächen“ des Kindes, sondern Signale, dass es gerade überfordert ist. Wer diese Auslöser erkennt, kann vorbeugen und in schwierigen Momenten ruhiger reagieren. So lernen Kinder Schritt für Schritt, ihre Gefühle besser zu steuern – und Erwachsene schaffen eine Umgebung, in der Entwicklung und Beziehung gelingen können.





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