ADHS-Kinder und Tiere in der Natur – warum es ihnen so gut tut
- Tabea Shmooeli

- 11. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Kinder mit ADHS sind voller Energie, Ideen und Neugier. Gleichzeitig kämpfen sie oft mit Schwierigkeiten im Alltag: Konzentration fällt schwer, innere Unruhe bestimmt den Tagesrhythmus, und viele erleben auch Konflikte im sozialen Miteinander. Umso wichtiger sind Orte, an denen sie zur Ruhe finden können – und wo ihre besonderen Fähigkeiten gesehen und wertgeschätzt werden. Ein solcher Ort ist die Natur, besonders im Kontakt mit Tieren.
Tiere als Spiegel und Begleiter
Tiere begegnen Kindern auf eine unmittelbare, wertfreie Weise. Sie beurteilen nicht, sie erwarten keine perfekten Antworten und sie sind ehrlich in ihren Reaktionen. Gerade für ADHS-Kinder, die sich im schulischen oder familiären Umfeld oft als „zu laut“, „zu wild“ oder „zu unruhig“ erleben, ist diese unvoreingenommene Begegnung eine Wohltat.
• Pferde etwa spiegeln die innere Haltung der Kinder. Ein unruhiges, hektisches Kind erlebt schnell, dass das Tier nervös wird. Wenn es aber gelingt, den eigenen Atem zu beruhigen und langsamer zu werden, reagiert das Pferd ebenfalls gelassen. Diese Erfahrung wirkt oft tief nach.
• Hunde vermitteln Nähe, Zuwendung und einen verlässlichen Rahmen. Sie geben klare Signale, wann sie spielen wollen und wann nicht – eine wichtige Lektion für Impulskontrolle.
• Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen fördern Geduld, Feinfühligkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Therapeutische Dimension
In der tiergestützten Pädagogik und Therapie wird dieser natürliche Zugang gezielt genutzt. Kinder mit ADHS profitieren auf mehreren Ebenen:
1. Selbstregulation: Tiere fordern eine ruhige Annäherung. Wer zu hektisch ist, verschreckt sie. Indem Kinder lernen, sich anzupassen, üben sie Selbstkontrolle und Achtsamkeit.
2. Konzentration: Die Pflege eines Tieres verlangt Ausdauer – Füttern, Streiche reinigen, Fell bürsten. Solche klaren, überschaubaren Aufgaben fördern Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.
3. Selbstwert: Viele ADHS-Kinder kennen das Gefühl, „ständig anecken“ zu müssen. Wenn jedoch ein Hund freudig auf sie zuläuft oder ein Pferd Vertrauen schenkt, erleben sie ein echtes Erfolgserlebnis – ohne Bewertung, sondern einfach durch Beziehung.
4. Soziales Lernen: Tiere vermitteln Verantwortung. Gemeinsam in einer Gruppe mit anderen Kindern die Tiere zu versorgen, schafft Teamgeist und soziale Bindung.
Natur als heilsamer Rahmen
Neben den Tieren spielt auch die Natur selbst eine große Rolle. Studien zeigen, dass Bewegung im Grünen ADHS-Symptome spürbar lindern kann. Wälder, Wiesen und Gewässer laden zu Bewegung ein, ohne den Stress eines Leistungssports. Das „Draußensein“ öffnet die Sinne, reduziert Reizüberflutung und schenkt innere Ruhe.
Die Kombination aus Natur + Tierkontakt wirkt daher wie ein natürlicher Therapie-Raum: Stress löst sich, Bewegung geschieht spielerisch, und Kinder fühlen sich frei, angenommen und lebendig.
Fazit
Für ADHS-Kinder ist der Kontakt zu Tieren in der Natur weit mehr als ein Freizeitspaß. Er wirkt therapeutisch, stärkt Selbstwert, Konzentration und soziale Fähigkeiten. Tiere schenken Nähe, Vertrauen und einen Spiegel – und die Natur bietet den Raum, den viele dieser Kinder dringend brauchen: Weite, Freiheit und Ruhe.
Vielleicht ist es genau diese Einfachheit – ein streichelndes Fell, ein ruhiger Atemzug, ein Blick in den Wald – die den Kindern das gibt, was sie im Alltag so selten finden: das Gefühl, gut zu sein, so wie sie sind.



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