Neurowissenschaft stellt klar: ADHS ist kein "Defekt"
- Tabea Shmooeli

- vor 2 Tagen
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ADHS-Gehirne sind nicht „defekt“ – die Neurowissenschaft zeigt, dass sie einfach anders strukturiert und reguliert sind. Bildgebende Studien zeigen immer wieder, dass bestimmte Regionen, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Motivation zuständig sind, bei Menschen mit ADHS im Durchschnitt etwas kleiner sind – insbesondere Bereiche des präfrontalen Kortex, der Basalganglien und des Kleinhirns. Diese Größenunterschiede sind moderat, kein Schaden, und verändern sich oft mit dem Alter.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Dopamin-Regulation. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Motivation, Belohnung und Fokus steuert. Bei ADHS ist die Dopamin-Signalübertragung weniger effizient, das heißt, Belohnungen fühlen sich schwächer an oder verfliegen schneller. Das bedeutet nicht, dass das System „defekt“ ist – es bedeutet, dass das Gehirn stärkere oder unmittelbarere Reize benötigt, um engagiert zu bleiben. Psychologie erklärt, dass dieses Dopamin-Ungleichgewicht Verhaltensweisen wie Neugierde, Impulsivität und Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, antreibt.
Da Dopamin eine zentrale Rolle bei der Belohnungsverarbeitung spielt, haben Menschen mit ADHS ein höheres Risiko für suchtartiges Verhalten. Substanzen, Videospiele oder zwanghafte Gewohnheiten können Dopamin vorübergehend steigern, wodurch sie besonders anziehend wirken. Die Neurowissenschaft betont jedoch, dass das Risiko für Sucht auch von Umwelt, Stress und Bewältigungsstrategien abhängt – ADHS allein ist nicht ausschlaggebend.
ADHS-Gehirne sind besonders kreativ, können Ideen schnell generieren und verfügen über hohe Energie für Problemlösungen. Das Verständnis der Dopamin-Unterschiede hilft, Verhalten zu erklären, ohne das Gehirn zu pathologisieren oder Schuld zuzuschreiben.
Infos verwendet aus Mindbox




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