Gewaltfreie Kommunikation: So gelingt der Umgang mit ADHS-Kindern
- Tabea Shmooeli

- 8. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Gewaltfreie Kommunikation: So gelingt der Umgang mit ADHS-Kindern
Kinder mit ADHS sind besonders sensibel – nicht nur für ihre eigenen Gefühle, sondern auch für die Emotionen und Worte der Erwachsenen. Sie fühlen sich sehr schnell angegriffen oder kritisiert. Klassische Ermahnungen, Vorwürfe oder strenge Regeln lösen oft Abwehr und Frust aus. Deshalb ist es so wichtig, eine Art der Kommunikation zu wählen, die respektvoll, klar und verständnisvoll ist – und genau hier kommt die gewaltfreie Kommunikation (GFK) ins
Spiel. GFK nach Marshall Rosenberg ist besonders effektiv bei ADHS-Kindern, weil sie auf Verständnis, Empathie und klare Botschaften setzt. Sie hilft Kindern, zuzuhören, ihre Gefühle zu erkennen und eigene Bedürfnisse zu äußern, ohne dass sie sich angegriffen fühlen.
Warum GFK bei ADHS-Kindern so gut funktioniert
1. ADHS-Kinder sind extrem empfindlich auf Kritik
Kinder mit ADHS nehmen Kritik oft sofort persönlich.
• Problem klassisch: „Warum machst du das schon wieder?“
• GFK: „Mir ist aufgefallen, dass dein Zimmer noch unaufgeräumt ist.“
• Effekt: Das Kind fühlt sich nicht attackiert, sondern einfach wahrgenommen.
2. GFK schafft emotionale Sicherheit
ADHS-Kinder reagieren stark auf Ärger oder Frustration.
• GFK: Eigene Gefühle klar benennen: „Ich bin gerade besorgt, weil ich die Hausaufgaben noch nicht sehe.“
• Effekt: Das Kind erkennt die Emotion des Erwachsenen, ohne Schuldgefühle zu bekommen.
3. Fokus auf Bedürfnisse statt Schuld
Kinder mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, Erwartungen sofort nachzuvollziehen. GFK lenkt den Blick auf das Bedürfnis hinter der Handlung.
• Beispiel: Statt „Du hörst nie zu!“
• GFK: „Mir ist wichtig, dass wir uns beide verstehen. Könntest du mir jetzt kurz zuhören?“
• Effekt: Das Kind erkennt das Bedürfnis, nicht die Vorwürfe, und ist eher bereit zu kooperieren.
4. Einladen statt befehlen
Befehle erzeugen Widerstand. GFK setzt auf Bitten statt Forderungen.
• Befehl: „Räum dein Zimmer auf!“
• GFK: „Wärst du bereit, dein Zimmer jetzt aufzuräumen, damit wir danach zusammen spielen können?“
• Effekt: Das Kind fühlt sich respektiert und beteiligt, nicht kontrolliert.
5. Fördert Selbstwahrnehmung und Selbstregulation
GFK hilft Kindern, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen – eine wichtige Fähigkeit für ADHS-Kinder, die oft impulsiv handeln.
• Beispiel: „Ich merke, dass du wütend bist. Magst du mir sagen, was du gerade brauchst?“
• Effekt: Kinder lernen, Gefühle zu benennen und Lösungen zu finden.
Hier ist eine Mini-Anleitung für den Gebrauch
GFK im Alltag anwenden, praktische Beispiele, wie Du als Lehrkraft oder Elternteil GFK mit einem Kind mit ADHS sofort umsetzen kannst:
1. Hausaufgaben / Lernen
• Situation: Das Kind schiebt die Hausaufgaben auf.
• GFK: „Mir ist aufgefallen, dass die Hausaufgaben noch nicht gemacht sind. Ich brauche, dass sie erledigt werden, bevor wir spielen. Kannst du jetzt 10 Minuten daran arbeiten?“
• Effekt: Klare Beobachtung, eigenes Bedürfnis und konkrete Bitte – keine Kritik.
2. Konflikte in der Klasse
• Situation: Ein Kind unterbricht ständig.
• GFK: „Ich merke, dass du viel zu sagen hast. Mir ist wichtig, dass alle ausreden können. Würdest du warten, bis du dran bist?“
• Effekt: Kind fühlt sich gehört, lernt Rücksicht.
3. Wutausbrüche
• Situation: Kind wird wütend, weil etwas nicht klappt.
• GFK: „Ich sehe, dass du sehr wütend bist. Ich brauche, dass wir ruhig bleiben. Willst du mir sagen, was dich ärgert, oder eine Pause machen?“
• Effekt: Kind kann Gefühle ausdrücken, ohne dass die Situation eskaliert.
4. Alltag zu Hause
• Situation: Kind räumt nach dem Spielen nicht auf.
• GFK: „Mir ist wichtig, dass unser Zuhause ordentlich bleibt. Wärst du bereit, jetzt 5 Minuten zu helfen, dann machen wir etwas Schönes zusammen?“
• Effekt: Klare Bitte, positive Motivation, gemeinsame Aktivität als Belohnung.
💡 Tipp: GFK funktioniert am besten, wenn du ruhig bleibst, Gefühle benennst, Bedürfnisse formulierst und klare Bitten stellst – ohne zu bewerten oder zu kritisieren. So fühlen sich Kinder verstanden, nicht angegriffen, und können lernen, ihre Impulse besser zu steuern.



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